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 INFO-REIHE „GESUNDE ERNÄHRUNG”
 

Auf der Suche nach der Frucht im Fruchtjoghurt?

Schnell und einfach und, laut Werbung, gesund und lecker! Aber was ist eigentlich in einem Joghurt so alles drin?
» Wir lösen die knifflige Aufgabe und berechnen den tatsächlichen Fruchtanteil und die zugesetzte Zuckermenge!

» Wir schauen, welche Funktionen die einzelnen Zutaten und Zusatzstoffe haben!
» Wir vergleichen den Preis eines gekauften mit einem selbstgemachten Himbeer-Joghurt!

Der tatsächliche Fruchtanteil – Die Zutatenliste für ein Himbeer-Joghurt zeigt dem Verbraucher erst einmal keine absoluten Werte. Insgesamt sind drei Komponenten enthalten: Joghurt, eine Fruchtzubereitung und Zucker. Die Fruchtzubereitung besteht dabei aus sieben Bestandteilen, Zucker als Hauptzutat und die Himbeeren lassen sich auch noch erklären, aber die übrigen fünf Komponenten würde niemand in sein selbstgemachtes Joghurt rühren. Der tatsächliche Fruchtanteil erschließt sich nicht und es ist auch fast schon höhere Mathematik zur Berechnung erforderlich! Auf jeden Fall muss mann schon ein bisschen um die Ecke denken!

Schritt 1: Der Anteil der Fruchtzubereitung in Höhe von 18 % ist deutlich hervorgehoben, das sieht gut aus. Zusätzlich lässt sich aus der Angabe „3,5 % Fett im Milchanteil“ und dem Wert „2,7 g Fett im Gesamt-Joghurt“ ein Joghurtanteil von etwa 77 % berechnen, so dass sich folgende Zusammensetzung ergibt: 77 % Joghurt, 18 % Fruchtzubereitung, 5 % Zucker

Schritt 2: Der Gesamtzuckergehalt von 13,2 % aus der Nährwerttabelle lässt sich nun aufsplitten in obige 5 g Zuckerzusatz, ca. 3,8 g Milchzucker im 77-%igen Joghurtanteil und sich daraus ergebende 4,4 g Zucker in der Himbeerzubereitung.

Schritt 3: 4,4 g Zucker in der Himbeerzubereitung! Da der Himbeeranteil erst nach dem Zucker genannt ist, entsprechend der geltenden Gesetzgebung also weniger davon enthalten ist, ergibt sich letztendlich nur ein Anteil von etwa 4,3 g = 4,3 % im Gesamtjoghurt!

Fazit – Der tatsächliche Fruchtanteil für den vorliegenden 250g-Becher beträgt also gerade einmal 11 g Himbeeren – vernichtend wenig! Demgegenüber stehen aber ganze 22 g zugesetzter Zucker, das entspricht etwa sieben Zuckerwürfeln – viel zu viel!

Die Funktionen der Zutaten und Zusatzstoffe – 11 g: das sind drei mittlere Himbeeren, also gerade einmal so viele, wie auf der Verpackung abgebildet. Und das soll den Geschmack ins Joghurt bringen? Kaum vorstellbar! Hier kommt nun das in der Himbeerzubereitung zugesetzte Aroma ins Spiel. Dieses wird als Duftstoff zugesetzt, der Verbraucher riecht die Himbeere und verbindet diese Wahrnehmung mit den aromatischen Himbeeren, die auf der Verpackung ja auch so nett zu sehen sind. Doch bei der Herstellung dieses natürlichen Aromas ist keine Himbeere beteiligt. Der Begriff „natürliches Aroma“ heißt nur, dass die Substanz aus/mit einem Naturstoff hergestellt wurde. Im Falle des Himbeeraromas gelingt dies durch Verkochen von Zedernholzspänen (Holz ist Natur) oder mikrobiologisch mit Hilfe von Schimmelpilzen, die ebenfalls natürlich sind. Leider reichen drei Himbeeren auch nicht für eine vernünftige Joghurt-Farbe aus … deshalb der Zusatz von Rote-Bete-Konzentrat.

Völlig überflüssig eigentlich der Zusatz von Wasser, während die Zugabe der modifizierten Stärke eine schöne bindende Wirkung hat und ein cremiges Mundgefühl erzeugt. Und letztendlich noch ein Säureregulator, der die saure Wirkung des Joghurts etwas abmildert, wie es auch in der Deklaration „250 g Joghurt mild“ versprochen wird.

Fazit – Auf diese Zutaten und Zusatzstoffe kann der Verbraucher gerne verzichten!

Der Preisvergleich – Das fertige Himbeer-Markenjoghurt 250 g kostet derzeit ca. 65 ct im Handel. Die selbstgemachte Variante soll einen Fruchtanteil von 30 % haben, das sind 175 g Joghurt und 75 g Himbeeren.
» Ein Becher Naturjoghurt, 500 g, ist schon für 60 ct zu haben. Das sind also 21 ct für die benötigten 175 g.
» Ein Beutel TK-Himbeeren berechnen wir mit 3 €. Für die 75 g Himbeeren sind somit 45 ct zu berechnen.
» Den Zusatz von etwas Zucker, den die meisten Verbraucher noch benötigen, vernachlässigen wir finanziell.
» Das sind 66 ct für die selbstgemachte Variante.

Fazit – Kein großer preislicher Unterschied zwischen gekaufter und selbstgemachter Variante, aber ein unvergleichlich größerer Genuss bei der eigenen Rezeptur mit dem siebenfach höheren Himbeeranteil! Probieren Sie es einmal aus!

Ein interessanter Beitrag dazu:
» http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/plietsch/Was-istdrin-im-HimbeerJoghurt,plietsch2530.html

Bericht: Dr. Kerstin Filipzik

 

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